Heiraten in Dänemark

Warum in Dänemark heiraten ?

Wer die umständliche Bürokratie in Deutschland umgehen will, der sollte sich überlegen, in Dänemark zu heiraten. Das Bundesverwaltungsamt schreibt in der Broschüre "Deutsche heiraten in Europa", die Flucht vor einem Ehehindernis nach deutschem Recht ist nicht möglich. Damit ist aber gemeint, auch wenn man im Ausland geheiratet hat, kann die Ehe unwirksam sein, z.B. bei Unmündigkeit, Verwandtschaft oder Bigamie.
Einen Hochzeitstermin erhält man in Dänemark jedenfalls schneller als in Deutschland, es werden weniger Dokumente verlangt und man erhält eine internationale Heiratsurkunde. Diese Urkunde muß gemäß eines deutsch-dänischen Beglaubigungsabkommens vom 17.6.1936 in Deutschland anerkannt werden, wenn sie vom dänischen Innenministerium legalisiert wurde.

Welche Dokumente sind notwendig ?

Deutsche Staatsangehörige benötigen: Die Geburtsurkunde und eine melderechtliche Bescheinigung (Aufenthaltsbescheinigung) aus der außer der Anschrift auch der Familienstand hervorgeht.
Ausländische Staatsangehörige benötigen: Geburtsurkunde, Aufenthaltsbescheinigung und Ledigkeitsbescheinigung.
Sollte einer oder beide der Heiratswilligen schon einmal verheiratet gewesen sein, so werden zusätzliche Unterlagen notwendig (Scheidungsurteil mit Rechtskraftvermerk, Sterbeurkunde oder ein Nachweis über die Auflösung der Ehe). Den gültigen Reisepaß benötigen natürlich beide Partner.

Woher bekommt man die Dokumente ?

In Deutschland erhält man die Geburtsurkunde (sofern nicht sowieso schon vorhanden) beim zuständigen Standesamt und die melderechtliche Bescheinigung beim Einwohnermeldeamt bzw. Kreisverwaltungsreferat.
In Rußland erhält man die Geburtsurkunde auch beim Standesamt (sofern nicht sowieso schon vorhanden) und die Aufenthaltsbescheinigung beim Einwohnermeldeamt. Die Ledigkeitsbescheinigung funktioniert in Rußland mit einem Stempel im Reisepaß, den man vom OVIR bekommt. Dieser Stempel wird aber nicht als Ledigkeitsbescheinigung anerkannt (reicht aber z.B. für einen Heirats-Visumsantrag), so daß man mit diesem Ausweis entweder zur Abteilung Personenstandssachen bei der Gebietsadministration (otdel ZAGS oblastnoy administratsii) geht oder einfach zum russischen Konsulat in Deutschland, um daraus eine Ledigkeitsbescheinigung zu machen (Reisepaß und Nationalpaß vorlegen).

Apostillen (Überbeglaubigung, Legalisierung) beruhen auf dem Haager Abkommen vom 5.10.1961 und sind eine Bestätigung einer übergeordneten Behörde, daß die untergeordnete Behörde eine ordnungsgemäße Urkunde ausgestellt hat. Apostillen erhält man in Rußland entweder beim Hauptstandesamt für die Geburtsurkunde, beim Justizmisterium für die Aufenthaltsbescheinigung oder bei der Oblastadministration, nicht beim Notar. Nur wenn auf dem Stempel der übergeordneten Behörde Apostille steht, ist es auch wirklich eine Apostille. Der Stempel gehört auf das Originaldokument und nicht auf die Übersetzung. Wenn es keinen Stempel gibt, dann reicht auch ein Beiblatt, das mit der Urkunde verbunden ist und auf dem unter Anderem der Text "Apostille (Convention de La Haye du 5 octobre 1961)" steht.

Übersetzungen müssen beglaubigt sein, das heißt man darf die Dokumente nicht selbst übersetzen und nur zugelassene Übersetzer dürfen auch beglaubigen. Die Geburtsurkunde, die Ledigkeitsbescheinigung und die Aufenthaltsbescheinigung sollten mit einer Apostille versehen werden (auf jeden Fall die Geburtsurkunde) und erst danach auf deutsch nach ISO-Transliterationsnorm (z.B. ISO R 9 1968) von einem anerkannten (vereidigten) Dolmetscher übersetzt und beglaubigt werden. Dolmetscher werden in Deutschland z.B. vom Oberlandesgericht bestellt, d.h. dort kann man nach vereidigten Übersetzern fragen. Häufig findet man in den Konsulaten auch Aushänge mit Adressen von Übersetzern oder man wird im Internet fündig.
Es werden auch englische oder dänische Übersetzungen anerkannt, aber da man die Dokumente evtl. auch in Deutschland benötigt, empfiehlt sich eine deutsche Übersetzung.
Sollte ein Dokument (z.B. die Ledigkeitsbescheinigung) nicht zu beschaffen sein, dann informieren Sie sich beim zuständigen Standesamt in Dänemark, ob evtl. eine eidesstattliche Erklärung ausreicht.

Wo kann man heiraten ?

Man kann grundsätzlich überall in Dänemark heiraten, es gibt aber lokale Unterschiede in der Aufenthaltspflicht. Einige dänische Kommunen verlangen mehrere Tage Aufenthalt (ca. 3 Tage), bevor dann die Trauung vorgenommen wird, es gibt aber auch Kommunen, die nicht so strenge Auflagen haben. Hier eine Liste von Standesämtern:
Name Strasse Ort Telefon Fax URL email
Aabenraa Kommune Plantagevej 4 DK-6330 Padborg +45 73 76 76 69   http://www.bov.dk
Informationen Eheschließung
raadhus@bovkommune.dk
Tønder Kommune Kongevej 57 DK-6270 Tønder +45 74 92 97 09 http:/www.toender.dk
Informationen Eheschließung
vielse@toender.dk
Aabenraa Kommune Skelbækvej 2 DK-6200 Aabenraa +45 73 76 71 31 +45 74 62 38 59 http://www.aabenraa.dk/ dbr@aabenraa.dkk
Sønderborg Kommune Raadhustorvet 10 DK-6400 Sønderborg +45 74 42 93 00 +45 74 42 93 90 http://www.sonderborg.dk
Informationen Eheschließung
raadhusbutikken@sonderborg.dk
Københavns Raadhus Mag. 1. afd., Bryllupskontoret, Raadhuspladsen DK-1599 Kopenhagen V +45 33 66 33 66 +45 33 66 70 35 http://www3.kk.dk/
Informationen Eheschließung
bryllup@mail.kk.dk
Rønne Raadhus Landemærket 26, Postboks 70 DK-3700 Rønne +45 56 95 45 45 +45 56 95 45 72 http://www.roenne.dk/
Informationen Eheschließung
regionsraadssekretariatet@brk.dk
Haderslev Kommune, Borgmesterkontoret Gaaskærgade 26-28 DK-6100 Haderslev +45 74 22 23 24 +45 74 53 39 07 www.haderslev.dk
Informationen Eheschließung
 
Kolding Kommune, Borgmesterkontoret Akseltorv 1 DK-6000 Kolding +45 75 50 15 00 +45 75 50 51 27 http://www.kolding.dk/tysk/
Informationen Eheschließung
raadhus@kolding.dk
Aarhus Raadhus Raadhuspladsen 2 DK-8000 Aarhus C +45 89 40 20 00 +45 89 40 21 21 http://www.aarhus.dk Info@jur.aarhus.dk
Esbjerg Raadhus Torvegade 74 DK-6700 Esbjerg +45 75 45 22 00 +45 75 13 21 96 http://www.esbjerg.dk/ raadhuset@esbjergkommune.dk
Ribe Raadhus Giørtz Plads DK-6760 Ribe +45 79 89 88 30 +45 79 89 89 90 http://www.visitribe.dk/tyskland/de-de/menu/turist/turistforside.htm
Informationen Eheschließung
toer@ribekom.dk
Varde Raadhus Bytoften 2 DK-6800 Varde +45 79 94 68 00 +45 75 22 07 28 http://www.vardekom.dk/  
Odense Raadhus Flakhaven 2 DK-5000 Odense C +45 66 13 13 72 +45 66 13 92 09 http://www.odense.dk/ odense@odense.dk

Wie geht es weiter nach der Heirat ?

Zurück in Deutschland muß man zum Einwohnermeldeamt gehen und seinen Ehepartner anmelden. Danach kann man mit der Heiratsurkunde, dem Reisepaß/Ausweis und Paßfotos (und evtl. Verdienstbescheinigung, ist nicht vorgeschrieben, wird aber manchmal trotzdem verlangt) zur ABH gehen und eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Normalerweise füllt man dort ein Formular aus und der ausländische Ehepartner bekommt für 3 Jahre eine Aufenthaltserlaubnis. Laut §9 Abs. 1 Ausländergesetz liegt dies im Ermessen der ABH.
Sollte die ABH die Genehmigung nicht erteilen und auf eine Ausreise und einen neuen Visumsantrag bestehen, dann kann man noch eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen wegen Ermessungsfehler, denn das würde dem Artikel 6 des Grundgesetzes bzgl. Recht auf Unverletzlichkeit der Ehe widersprechen und evtl. auch der allgemeinen Verwaltungsvorschrift 9.1.0.4 zum Ausländergesetz (AuslG-VwV) "Das öffentliche Interesse an der Einhaltung der Visumspflicht verliert jedoch an Gewicht, wenn offensichtlich ist, daß ein Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung erfüllt ist".
Ein Gerichtsurteil des VG München (Gerichtsbescheid vom 02.02.2001 - M 21 K 00.3535 -; 22 S., M0163) bestätigt dies. Ein interessanter Absatz aus diesem Urteil lautet wie folgt: ... Demzufolge darf die betreffende Ausländerbehörde die beantragte Aufenthaltsbefugnis nur dann versagen, wenn ausnahmsweise besonders schwerwiegende öffentliche Interessen entgegenstehen, die gegenüber dem grundrechtlich gewährleisteten Schutz der familiären Lebensgemeinschaft überwiegen.

Seit Anfang 2005 sind wiederum neue Regelungen und Gesetze in Kraft, die aber inhaltlich für Eheleute das Gleiche bedeuten.
Der §27 des Zuwanderungsgesetzes bestätigt den Anspruch auf einen Aufenthaltstitel des ausländischen Ehepartners und nennt die Ausnahmen, für die der Anspruch nicht erfüllt ist (Sozialhilfe).
Hier ein Zitat aus Nr. 5.2.1.1 der Vorl. Anwendungshinweise, die sich u.A. auf den §39 Absatz 3 der Aufenthaltsverordnung (AufenthV) beziehen:
Bei Inhabern eines Schengen-Visums ist eine Vorabkontrolle durch das Visumverfahren erfolgt. Sie erhalten im Fall des Anspruchs ebenfalls die Möglichkeit, ohne vorherige Ausreise den Aufenthaltszweck zu wechseln, da andernfalls Ausländer, die legal eingereist sind, schlechter gestellt würden als abgelehnte Asylbewerber (§ 10 Abs. 3 Satz 3 Aufenthaltsgesetz). Die bisherige detaillierte Aufzählung der einzelnen Familiennachzugsfälle war eine entbehrliche Überregulierung.

Man sollte auch zum Standesamt gehen und ein Familienbuch anlegen lassen (§ 15a Abs. 2 Personenstandsgesetz), damit man künftig beglaubigte Abschriften aus dem Familienbuch anfordern kann und seinen Status (Namensführung, Eherecht) dokumentiert.

Für den Gebrauch in anderen Ländern als Deutschland wird auch eine Legalisierung der Heiratsurkunde vom Dänischen Außenministerium notwendig und diese kostet 160 DK (ca. 22 Euro). Die beglaubigte Heiratsurkunde wird z.B. für die Paßänderung benötigt.
Der ausländische Ehepartner muß seinen Paß umschreiben lassen (Adresse, Name). Das kann z.B. im Heimatland geschehen (z.B. OVIR in Rußland), aber auch bei einem Konsulat.
Sollte der Ehepartner seine Angelegenheiten nicht in Deutschland regeln können, dann muß er beim deutschen Konsulat einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen, dieser Antrag wird an die Ausländerbehörde (ABH) des Wohnortes in Deutschland weitergeleitet und dort wird darüber entschieden. Das kann relatv schnell gehen, aber auch länger dauern, das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die ABH kann zur Beschleunigung des Vorgangs auch eine Vorabzustimmung erteilen, die dann an das Bundesverwaltungsamt oder direkt an das deutsche Konsulat geschickt wird.
Man kann man sich über den Fortschritt der Visumserteilung auch beim Bundesverwaltungsamt informieren, dazu am besten in Köln anrufen (0221-7580) und sich mit dem zuständigen Sachbearbeiter in der Visumsabteilung verbinden lassen. Dort kann man das Aktenzeichen des Vorgangs erhalten, wenn man Name und Geburtsdatum des Ehepartners nennt. Sollte der Antrag an die ABH weitergeleitet sein, kann man die ABH anrufen und sich erkundigen, wie lange es noch dauert. Sollte der Antrag wieder im Konsulat vorliegen, kann man dort nachfragen. Irgendwann jedenfalls bekommt der ausländische Ehepartner dann ein Visum zur Einreise und geht dann nach Ankunft zur deutschen ABH, um einen Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung zu stellen.

Für alle zukünftigen Ansprüche gilt erst der Tag der Einreise als Anfang der gemeinsamen Ehe in Deutschland, also erst mit diesem Tag zählen die 3 Jahre bis zur unbefristeten Aufenthaltserlaubnis, Zeiten für die Einbürgerung etc.

Der ausländische Ehepartner darf mit der deutschen Aufenthaltserlaubnis in allen Schengen Staaten Urlaub machen. Für andere Länder muß meistens ein Visum beim zuständigen Konsulat beantragt werden, wozu man entweder einen Auszug aus dem Familienbuch mitbringen muß oder die Heiratsurkunde.

Weitere Links zum Thema

Indenrigsministeriet
Slotsholmsgade 6
DK-1216 København K.
Tel. +45 33 92 33 60
email:
im@im.dk

Alle Angaben in diesem Text sind ohne Gewähr, jedoch teilweise selbst so erlebt und nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert.

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